Bei der Sitzung des Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss am 30.07. ist die „Verkehrsuntersuchung Schildgen“ eines der Hauptthemen.

Drei Ingenieurbüros wurden beauftragt, Lösungen zur Verbesserung des Verkehrs im nördlichsten Ortsteil Bergisch Gladbachs zu entwickeln. Die Vorschläge einschließlich des geschätzten Umsetzungszeitraum und der geschätzten Kosten werden im Rahmen der Ausschusssitzung vorgestellt und sind jetzt schon über das Ratsinformationssystem einsehbar.

Die FWG – Freie Wählergemeinschaft Bergisch Gladbach sieht ihre verkehrspolitischen Grundsätze bestätigt. Wir halten die Gutachten grundsätzlich für hilfreich und zukunftsorientiert, auch wenn noch großer Diskussionsbedarf vorhanden ist. Nicht das Auto wird in den Mittelpunkt der Untersuchungen gestellt, sondern es werden Lösungen für alle Verkehrsteilnehmer gesucht und angeboten. Dabei spielen Fußgänger und Radfahrer eine wesentliche Rolle. Positiv ist auch, dass verkehrstechnischen Großprojekten (Umgehungsstraße Schildgens durch Waldgebiete oder Untertunnelung der Ortsbesiedelung) am Ende eine Absage erteilt wird. Solche sind nach unserer Ansicht aus der Zeit gefallen und würden einmal mehr eine Umfahrung der A3 durch eine Ersatzschnellstraße durch Bergisch Gladbach provozieren, wovon auch Schildgen stark betroffen wäre.

Ortsmitte Schildgen © OpenStreetMap-Mitwirkende

Alle drei Büros bescheinigen eine überlastete Verkehrssituation in Schildgen mit zum Teil völlig unzureichender Qualität der Geh- und Radwege. 

  • Das Büro Planersozietät untersuchte unterschiedliche Szenarien von einem Bau eines Umgehungstunnels (Kosten bis zu 100 Mio €, Umsetzung 15-25 Jahre) über eine Änderung der Verkehrsregelung mit Ausweisung der Leverkusener Straße als Einbahnstraße (Kosten bis zu 2,5 Mio. €, Umsetzung 3-5 Jahre) bis zu einer Qualitätsoffensive im Radverkehr (Kosten bis zu 2,5 Mio. €, Umsetzung  6 Monate bis 3 Jahre). Den höchsten Empfehlungsgrad aller geprüften Maßnahmen erhält dabei eine Qualitätsoffensive im ÖPNV und im Radverkehr. Tunnel und Umgehungsstraße werden am Ende aufgrund der hohen Kosten, der anzunehmenden langen Planungs-und Bauzeiträume und der absehbaren Akzeptanzprobleme für kaum realistisch gehalten.
  • Für die Spiekermann GmbH ergeben sich aus der Ist-Analyse des Verkehrs folgende Ideen: Begrenzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h, Stärkung des Umweltverbundes (ÖPNV und Radverkehr), einen Wegfall des Linksabbiegefahrstreifens in die Leverkusener Straße und eine Umgestaltung des Straßenraumes zu Gunsten der Geh- und Radwege.
  • Das Büro MWM empfiehlt eine Umgestaltung des gesamten Untersuchungsabschnittes. Der Entwurf sieht eine Verbesserung der Radverkehrs- und Fußgängerführung vor. Ebenfalls wird die Anlage eines multifunktionalen Mittelstreifens im Ortszentrum mit Herabsenkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h empfohlen.

Die Verkehrsuntersuchungen sind detailliert geschildert. Sie haben bei genauerem Befassen aber mehr Brisanz als es auf den ersten Blick aussieht:

In der Beschlussvorlage weist die Stadtverwaltung darauf hin, dass in Schildgen Siedlungsentwicklungen im FNP geplant sind, die zusätzlichen Verkehr auf dem bereits überlasteten Netz induzieren können. Die FNP-Flächen sollen erst realisiert werden, wenn eine verkehrliche Verträglichkeit gewährleistet ist.

Dies wird aber in den drei Verkehrsuntersuchungen überhaupt nicht berücksichtigt. 

Alle drei Gutachten bescheinigen schon jetzt eine Überlastung der Hauptverkehrswege in Schildgen und weisen Ideen auf, wie der Ist-Zustand verbessert werden kann. Es ist überhaupt nicht Inhalt der Untersuchungen, welche zusätzlichen Verkehrsbelastungen durch die geplanten Wohngebiete entstehen und ob es möglich ist, diese durch irgendwelche Maßnahmen abzufangen.

Im Gegenteil. Wenn man die Gutachten liest, muss man zu dem Schluss kommen, dass mit einigem Aufwand die aktuelle Belastung ins erträgliche Maß gebracht werden kann. Dies gilt nicht nur für den Verkehrsfluss, sondern auch für die Lärmbelastung. Der zusätzliche Verkehr durch neue Wohnbaugebiete würde aber zu einer neuen Überlastung mit allen negativen Folgen führen. Hinzukommen mögliche Auswirkungen einer stark zunehmenden Besiedlung in Odenthal.

Wir halten eine Verbesserung der Verkehrssituation in Schildgen für dringend notwendig. Die Gutachten weisen sinnvolle Maßnahmen auf, um dies zu erreichen. Die Untersuchungen können aber nicht die verkehrliche Verträglichkeit neuer Wohnbaugebiete gewährleisten.

Die FWG sieht sich durch alle Gutachten in ihren Bemühungen gestärkt, mit planerisch und baulich schnell zu realisierenden Maßnahmen die Verkehrssituation durch eine Stärkung des Radverkehrs zu verbessern. Wir haben bereits eine Nord-Süd Radroute vorgeschlagen, die mit den Schildgener Maßnahmen gut ergänzt werden würde. Hier die Streckenführung. Allerdings muss sie zügig verwirklicht werden, denn was helfen gute Radwege in Schildgen, wenn die Weiterfahrt nach Bergisch Gladbach jenseits der Ortsgrenze mit mangelnder Sicherheit und fehlendem Komfort stattfindet.

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