Nach einer neuen Studie, die das Aachener Ingenieurbüro Helmert im Auftrag der Stadt Bergisch Gladbach durchgeführt hat, hat sich das Mobilitätsverhalten in unserer Stadt in den letzten elf Jahren deutlich verändert.
Beträchtlich zugenommen hat die Zahl der Wege, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, während die Fahrten mit dem Auto und dem Öffentlichen Personennahverkehr trotz Verdichtung der Takte zurückgegangen sind.

Grafik Ingenieurbüro Helmer Aachen

Zur Zunahme des Fahrradverkehrs hat sicherlich die inzwischen beträchtliche Verbreitung des Elektrofahrrads beigetragen. Bereits ein Drittel aller Haushalte besitzen ein solches. Das ist eine gute Meldung. Es gibt aber auch eine Kehrseite.

Die Zahl der Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern hat sich erhöht. Das räumt auch der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) ein. Es besteht durch bauliche Unzulänglichkeiten, aber auch durch Fehlverhalten und vor dem Hintergrund immer mehr E-Bikes die Gefahr, dass die Interessen und der Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmer, nämlich Fußgänger dabei auf der Strecke bleiben.

Hier muss deutlich nachgearbeitet werden. Appelle zur gegenseitigen Rücksichtnahme scheinen nicht auszureichen. Wir wollen deshalb, dass Fußgängerbelange viel mehr in den Fokus der Stadtplaner gerückt werden.

Immerhin gibt es vielversprechende Lösungsansätze. So etwa im Stadtteil Gronau, wo ein Studie über das Verkehrsverhalten in Bergisch Gladbach Fußverkehrscheck auf Gefahrenstellen aufmerksam gemacht hat. Daraus resultierende Baumaßnahmen bleiben aber überschaubar und können zum Teil erst dann verwirklicht werden, wenn eine Sanierung der betroffenen Straßen erfolgt. In anderen Stadtteilen gibt es zu wenig keine Ansätze, die Belange der Fußgänger besser zu berücksichtigen.

Die Konflikte im Straßenverkehr lassen sich nach unserer Überzeugung am besten dadurch lösen, dass die Verkehrswege getrennt geführt werden. Das ist aufgrund der baulichen Gegebenheiten leider nicht immer möglich, sollte aber bei Sanierungsmaßnahmen stets im Vordergrund stehen. So führt eine gemeinsame Wegführung von Fußgängern und Radfahrern auf Bordsteinen immer wieder zu kritischen Situationen, zumal wenn die Wege schmal sind, eine klare Kennzeichnung fehlt oder der farbliche Straßenbelag im Laufe der Zeit verblasst ist.

Kaum zu unterscheiden: Fahrradweg und Gehweg

Weil es an Geld und an Planungskapazitäten fehlt, werden Notlösungen sowohl für Fußgänger als auch für Radfahrer gesucht, die dann im Laufe der Zeit zu Dauerlösungen werden.

Dazu ein Beispiel: Der Radweg auf dem Strundedamm zwischen Herrenstrunden und der Innenstadt ist durch Unterspülung so marode, dass er nur zu hohen Kosten hergerichtet werden kann. Eine Ausweichmöglichkeit böte der an der Kürtener Straße angelegte seitliche Weg.

„Fahrradweg“ an der Kürtener Straße

Eine Verbreiterung und Ertüchtigung wäre möglich, jedoch liegt die Zuständigkeit für eine solche Maßnahme nicht bei der Stadt, sondern bei Straßen-NRW. Dort sucht man aber in einer Prioritätenliste der 100 auszubauenden oder zu schaffenden Radwege eine Strecke an der Kürtener Straße vergeblich.

Die Stadtverwaltung schlägt deshalb vor, den oberhalb des Strundedamms liegenden Wanderweg auch für Räder nutzbar zu machen und als Ersatz anzubieten. Wanderer und Spaziergänger sollen sich den Weg mit Radfahrern teilen. Wir befürchten, dass sich dieser Notbehelf zu einer Dauerregelung etabliert. Das wollen wir nicht und ist auch problematisch für beide Verkehrsteilnehmergruppen. Vielmehr fordern wir, den Radweg an der Kürtener Straße in die Prioritätenliste von Straßen NRW aufzunehmen.

Der Wanderweg an der Igeler Mühle soll auch für Räder genutzt werden