Der Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss befasst sich am 4. Dezember 2019 mit einer neuen Straßenführung im Bereich des sogenannten Gleisdreicks in Gronau. Das ist der Bereich zwischen der Mülheimer Straße und der S-Bahn-Linie, begrenzt durch die Buchholzstraße auf der westlichen und Tannenbergstraße auf der östlichen Seite. Dazu gibt es mehrere Vorschläge eines Planungsbüros.

In der Entscheidungsvorlage für die Sitzung schlägt die Verwaltung zwei Beschlüsse vor:

  1. Aufgrund der erkennbaren Vorteile der vorgestellten Variante 4K wird diese Ausbauvariante zustimmend zur Kenntnis genommen. Die Verwaltung wird beauftragt, die Variante 4K weiterzuverfolgen.
  2. Die Verwaltung wird beauftragt, eine Machbarkeitsstudie unter Berücksichtigung der Verkehre einer zukünftigen Entwicklung des Zanders-Geländes und der neu in den FNP aufgenommenen Bauflächen durchzuführen. Diese Machbarkeitsstudie ist eine Vorstufe für eine Vorplanung für den Bebauungsplan Nr. 2435 – Gleisdreieck.

Die Kombination dieser beiden Beschlussvorlagen ist völlig unverständlich und zwar aus folgenden Gründen:
Die bisherige Machbarkeitsstudie Gleisdreieck berücksichtigt nur die geplanten Bebauungen auf den Geländen „Jakobstraße“ „Am Kalkofen“ „Neues Stadthaus“ und „Steinbüchel“. Das Zanders-Gelände, der wirklich dicke Brocken in der Innenstadt, ist noch gar nicht einbezogen. Erst recht nicht die im Flächennutzungsplan (FNP) ausgewiesenen Gebiete.

Das riesige Zanders-Gelände, 37 Hektar Innenstadtlage

Bereits ohne Zanders und FNP-Flächen zeigt die Machbarkeitsstudie an manchen Knotenpunkten für den PKW Verkehr gerade noch ausreichende Verkehrsbedingungen, für den Fußgänger- und Radverkehr sogar eine mangelhafte Qualität.
Warum soll also jetzt die Verwaltung vom Ausschuss beauftragt werden, die Variante 4K (also die Planung ohne Berücksichtigung des Zanders-Geländes) weiter zu verfolgen?
Erst einmal müsste doch eine Machbarkeitsstudie zumindest einschließlich der Zanders-Fläche erfolgen. Denn eines dürfte klar sein: Wenn es nicht zu einer echten Verkehrswende in Bergisch Gladbach kommt, ist das Gleisdreieck keine Lösung für die zukünftige Verkehrsbelastung in unserer Stadt. Vorrangig wären stadtweit vernünftige Radwege, Radschnellwege nach Köln und ein günstigerer ÖPNV. Weiterhin ist es unabdingbar, nicht nur die Verkehrssituation in der Innenstadt im Auge zu behalten. Die Machbarkeitsstudie „Gleisdreieck“ zeigt zum Beispiel, dass in der Variante 4k der Verkehr auf der Buchholzstraße um 3.300 Fahrten zunehmen würde, ohne dass auf anderen Straßen Richtung Norden eine entsprechende Entlastung stattfinden würde. Der Verkehrsstrom landet größtenteils auf der Kreuzung an der Flora, die jetzt schon oft überlastet ist. Die Autoschlange von Norden reicht inzwischen bis Paffrath und zwar nicht nur zu Zeiten der Rushhour.

Wenn jetzt noch der Verkehr der FNP Flächen aus Schildgen, Katterbach und Nußbaum dazukommen würde, wäre das Chaos vorprogrammiert.  

Die noch regierende GroKop aus CDU und SPD hatte versprochen, dass vor jeder konkreten Neuausweisung von Wohn- oder Gewerbeflächen die verkehrlichen Auswirkungen auf das bestehende Straßennetz untersucht werden. Die einzig wichtige Frage dabei ist aber, welche Konsequenzen dann daraus gezogen werden. Ab welcher Auslastung einer zuführenden Straße (z.B. auch Kempener Straße oder L289) zu einer neuen Fläche erfolgt keine Neuausweisung? 

Eine Wohnbebauung der Flächen in der Innenstadt macht schon wegen der Nähe zur S-Bahn, zum Einzelhandel und zur Stadtverwaltung am meisten Sinn. Nach den bisherigen Untersuchungen ist aber absehbar, dass damit die Grenze der Verkehrs-Belastbarkeit endgültig erreicht, wenn nicht sogar überschritten wird. Eine zusätzliche Bebauung der im FNP ausgewiesenen Flächen  ist damit nicht mehr möglich.

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